Share this emailCopy the public link or share it on your favorite channel.

Medienkompetenz-Tandems Newsletter im Mai 2026

Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,

heute wollen wir uns gar nicht lange mit Vorreden aufhalten, sondern direkt in die Praxis einsteigen. In dieser Ausgabe haben wir wieder vier Themen für Euch zusammengestellt, die aktuelle Entwicklungen rund um KI und digitale Bildung aufgreifen und ganz konkret für den Schulalltag an den Realschulen in Oberfranken nutzbar machen. Im Fokus stehen diesmal vor allem neue Funktionen der Lernplattform der BayernCloud Schule, spannende Materialien für den Unterricht sowie Impulse, wie KI kreativ, reflektiert und datenschutzkonform eingesetzt werden kann.
Wir wünschen Euch viel Freude beim Lesen, Ausprobieren und Weiterdenken der Ideen – vielleicht ist ja auch der ein oder andere Ansatz dabei, den Ihr direkt in Eurem Tandem oder im Kollegium weitergeben könnt.

Eure
Signaturen
Mit dem aktuellen Update der Lernplattform der BayernCloud Schule (Version 5.1_LP_2.0 vom 24.04.2026) rücken insbesondere die KI-Funktionen deutlich stärker in den Mittelpunkt – und das in einer Form, die für den Unterricht tatsächlich praktikabel ist.
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Integration von KI-gestütztem Feedback direkt in die Aktivität „Aufgabe“. Damit lassen sich auf Knopfdruck individuelle Rückmeldungen zu Schülertexten und eingereichten Dateien erzeugen, wobei die Lehrkraft die zugrunde liegenden Prompts selbst festlegt und somit die Richtung des Feedbacks steuert. Besonders spannend ist, dass auch Fotos handschriftlicher Lösungen – etwa vom Tablet oder Smartphone hochgeladen – verarbeitet werden können. Das generierte Feedback erscheint direkt in der Bewertungsansicht, kann vor der Freigabe angepasst werden und lässt sich sogar für mehrere Arbeiten gleichzeitig erzeugen. Für den Unterricht bedeutet das vor allem eines: Individualisiertes Feedback wird deutlich leichter umsetzbar, ohne dass die pädagogische Kontrolle aus der Hand gegeben wird.
Auch der KI-Chat wurde an mehreren Stellen verbessert. Er reagiert stabiler, kommt besser mit längeren Konversationen zurecht und stellt Inhalte übersichtlicher dar. Gerade bei längeren Antworten entfällt das umständliche Zurückscrollen, und auch komplexere Inhalte wie Code – etwa HTML oder Python – werden nun korrekt formatiert angezeigt. Zudem lassen sich Persona-Prompts strukturierter gestalten, was die gezielte Nutzung im Unterricht oder bei der Vorbereitung erleichtert. Insgesamt wird der KI-Chat damit deutlich verlässlicher und vielseitiger einsetzbar, sei es zur Unterrichtsplanung, zur Materialerstellung oder perspektivisch auch in begleiteten Lernszenarien mit Schülerinnen und Schülern.
Im Bereich der KI-Werkzeuge wurde vor allem an Transparenz und Nutzerführung gearbeitet. Wenn etwa eine Bildgenerierung aufgrund von Inhaltsfiltern nicht möglich ist, erhalten Nutzerinnen und Nutzer nun verständliche Rückmeldungen. Auch bei automatisch erzeugten Alttexten werden entsprechende Hinweise eingeblendet. Das trägt dazu bei, den Einsatz von KI im schulischen Kontext nachvollziehbarer und sicherer zu machen.
Schließlich wurde auch der KI-Fragengenerator überarbeitet. Durch optimiertes internes Prompting liefert er nun strukturiertere und qualitativ bessere Ergebnisse. Für die Praxis heißt das: Aufgaben lassen sich schneller erstellen und besser an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen.
Insgesamt zeigt das Update sehr deutlich, wohin die Entwicklung geht: Die Lernplattform wird zunehmend zu einem intelligenten Werkzeug, das Lehrkräfte nicht ersetzt, sondern gezielt unterstützt. Für die MEKO-Tandems ergeben sich daraus zahlreiche Anknüpfungspunkte – sei es für die eigene Unterrichtspraxis oder für die Arbeit mit Kolleginnen und Kollegen im Rahmen schulinterner Fortbildungen. Besonders die neuen Feedbackmöglichkeiten bieten hier einen niedrigschwelligen und gleichzeitig wirkungsvollen Einstieg in den Einsatz von KI im Unterricht.

🎭 Deepfakes im Unterricht thematisieren – „Deep Fake. Deep Impact.“

Das Unterrichtsmaterial „Deep Fake. Deep Impact.“ von klicksafe greift ein Thema auf, das für Schule zunehmend relevant wird: die Frage, wie sich Wirklichkeit und Manipulation im digitalen Raum überhaupt noch unterscheiden lassen. Ziel des Angebots ist es, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler grundlegend über Deepfake-Technologien zu informieren und sie gleichzeitig für deren Chancen und Risiken zu sensibilisieren.
Im Zentrum steht dabei zunächst ein verständlicher Zugang zur Technik. Die Materialien erklären, was Deepfakes sind, wie sie entstehen und in welchen Formen sie auftreten können – von manipulierten Bildern über Videos bis hin zu täuschend echten Sprachaufnahmen. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass diese Technologien nicht nur problematisch sind, sondern durchaus auch sinnvolle Einsatzmöglichkeiten haben können, etwa im Bereich Unterhaltung oder Bildung.
Ein besonderer Fokus liegt jedoch auf den Risiken: Deepfakes können gezielt zur Desinformation eingesetzt werden, Persönlichkeitsrechte verletzen oder im Kontext von Cybermobbing missbraucht werden. Gerade weil die Inhalte oft kaum noch von echten Medien zu unterscheiden sind, wird die Förderung von kritischer Medienkompetenz hier zentral.
Für den Unterricht besonders wertvoll ist der praxisnahe Aufbau des Materials. Neben Hintergrundinformationen bietet es konkrete Projektideen, mit denen sich Schülerinnen und Schüler aktiv und reflektiert mit dem Thema auseinandersetzen können. Dabei geht es nicht nur um das Erkennen von Fälschungen, sondern auch um ein tieferes Verständnis dafür, wie Informationen entstehen, verbreitet und manipuliert werden.
Insgesamt liefert „Deep Fake. Deep Impact.“ einen sehr guten Einstieg in ein hochaktuelles Feld digitaler Bildung. Für die MEKO-Tandems eröffnet sich hier eine ideale Möglichkeit, das Thema KI nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich zu diskutieren – und damit genau die Kompetenzen zu stärken, die Schülerinnen und Schüler heute im Umgang mit digitalen Medien dringend benötigen.
In unserer letzten Fortbildung in Hollfeld haben wir uns auch zum ersten Mal dem Vibecoding gewidmet.
Mit dem Angebot auf vibecody.de wird ein aktuell viel diskutierter Ansatz für Schule greifbar gemacht: sogenanntes „Vibe Coding“. Gemeint ist damit die Idee, dass Anwendungen oder kleine Programme nicht mehr klassisch programmiert werden, sondern über natürliche Sprache entstehen – also indem man der KI beschreibt, was sie tun soll. Die KI übernimmt Planung, Umsetzung und teilweise sogar das Testen von Anwendungen.
Besonders interessant für die schulische Praxis ist dabei der konkrete Zugang, den das Angebot wählt: Entwickelt wurde es von Günther Häußler, Berater für digitale Bildung an den Gymnasien in Schwaben, und es setzt bewusst auf die staatlich bereitgestellten Werkzeuge in Bayern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kombination aus telli, der Lernplattform der BayernCloud Schule sowie die ByLKI. Damit bleibt das gesamte Setting datenschutzkonform und direkt anschlussfähig für den schulischen Alltag.
Didaktisch geht es weniger darum, „Programmieren“ im klassischen Sinn zu lernen, sondern vielmehr um ein neues Verständnis von digitaler Gestaltung: Schülerinnen und Schüler entwickeln Ideen, formulieren präzise Anforderungen und arbeiten iterativ mit der KI zusammen. Studien beschreiben diesen Ansatz als eine Verschiebung der Kompetenzanforderungen – weg vom reinen Coden hin zur Fähigkeit, Prozesse zu steuern, Prompts zu formulieren und Ergebnisse kritisch zu bewerten.
Für den Unterricht eröffnet das spannende Möglichkeiten: Projekte lassen sich deutlich schneller umsetzen, auch ohne tiefgehende Programmierkenntnisse. Gleichzeitig entstehen neue Lernanlässe rund um Themen wie Prompting, Fehleranalyse oder die Bewertung von KI-generierten Ergebnissen. Gerade im Zusammenspiel mit telli, ByCS und ByLKI wird daraus ein niedrigschwelliger, aber gleichzeitig sehr aktueller Zugang zu informatischer Bildung.
Der offene Prompt-Katalog auf Coda bietet einen sehr praxisnahen Zugang zu einer der zentralen Kompetenzen im Umgang mit KI: dem geschickten Formulieren von Prompts. Hinter dem Angebot steht ein gemeinsames Projekt von KI-Campus und Hochschulforum Digitalisierung, das ursprünglich aus der Hochschullehre kommt, sich aber problemlos auf Schule übertragen lässt.
Im Kern handelt es sich um eine offene Sammlung erprobter Prompts, die aus konkreten Anwendungsszenarien stammen und zur Wiederverwendung bereitgestellt werden. Lehrkräfte finden dort beispielsweise Vorlagen für Unterrichtsplanungen, Aufgabenstellungen, Feedbackprozesse oder Textüberarbeitungen. Die Prompts sind jeweils mit Kontextinformationen versehen – etwa zum Ziel, zum Einsatzszenario oder zum verwendeten KI-Modell –, sodass sie nicht nur kopiert, sondern auch verstanden und angepasst werden können.
Besonders wertvoll ist der kollaborative Ansatz: Der Katalog lebt davon, dass Nutzerinnen und Nutzer eigene erfolgreiche Prompts einreichen und weiterentwickeln. Dadurch entsteht nach und nach ein wachsender Pool an praxiserprobten Ideen, die als Open Educational Resources (OER) frei verfügbar sind.
Für den Unterricht liegt die eigentliche Stärke weniger im einzelnen Prompt als im dahinterliegenden Prinzip. Der Katalog macht deutlich, dass gute Ergebnisse mit KI nicht zufällig entstehen, sondern stark davon abhängen, wie präzise Aufgaben formuliert sind. Prompting wird damit zu einer Schlüsselkompetenz – vergleichbar mit Recherche- oder Schreibkompetenz. Schülerinnen und Schüler können hier lernen, Anforderungen klar zu formulieren, Ergebnisse kritisch zu prüfen und iterativ zu verbessern.
Für die MEKO-Tandems bietet sich das Angebot daher vor allem als Fundgrube und Fortbildungsimpuls an: Einerseits lassen sich direkt einsetzbare Beispiele für den Unterricht finden, andererseits eignet sich der Katalog hervorragend, um im Kollegium über gutes Prompting ins Gespräch zu kommen. So wird KI nicht nur genutzt, sondern auch reflektiert – und genau darin liegt ein zentraler Mehrwert für zeitgemäße digitale Bildung.
cropped-Logo-1.png
website email